Erste Hilfe und Wege aus dem Trauma
Erstellt von: Christiane Neidel
am 14 Nov, 2010
Autor: Christiane Neidel
Erste Hilfe und Wege aus dem Trauma (Trauma Teil 2)
Wenn Sie selbst in Zukunft in eine überwältigende Situation, ohne Handlungsmöglichkeit geraten, nehmen Sie sich anschließend, wenn Sie in Sicherheit sind, bitte sofort Zeit, und geben ihrem Körper Gelegenheit, die Schockenergie abzuschütteln, damit diese sich nicht dauerhaft im Nervensystem festsetzt.
Ihr Körper macht das Richtige ganz von selbst. Er weiß am besten, was er braucht. Sein Selbstregulations-Mechanismus äußert sich z.B., durch unwillkürliches Zittern, möglicherweise auch unwillkürliche Zuckungen einzelner Körperbereiche- oder Gliedmaßen. Es können auch vorübergehende Kälte- oder Hitzeempfindungen auftreten.
Möglicherweise spüren Sie auch ein Abfließen der Erregungsenergie nach unten, welches in ein tieferes Aus- oder Durchatmen mündet. Wenn Sie achtsam sind, spüren Sie anschließend ein wohliges Einströmen angenehmer Energie, die einen eher beruhigenden oder wohlig belebenden Charakter hat. Geben Sie Ihrem Körper möglichst die Zeit, die er braucht, um den Vorgang abzuschließen.
Vertrauen Sie den Regungen Ihres Körpers! Er versucht lediglich, den in der Erstarrung stecken gebliebenen, unvollzogenen Kampf- oder Fluchtimpuls nachzuholen. Seine nicht abgeschlossene, instinktive Reaktion auf eine Bedrohung, vervollständigen zu können, um die im Nervensystem umherirrende Überlebensenergie, aus dem System, raus fließen zu lassen.
Hilfe für Ihren Körper unmittelbar nach einem überwältigenden Ereignis
Legen Sie sich z.B. auf dem Boden, auf den Rücken, warten eine Weile, bis Ihr Körper beginnt, sich selbst zu entlasten. Achten Sie darauf, genug Platz um sich herum zu haben, damit durch eventuelle Zuckungen einzelner Gliedmaßen, keine Verletzungsgefahr an Gegenständen besteht.
Ihr Körper weiß auch genau, wann es genug ist. Er wird sich dann von selbst wieder beruhigen. Das Abschütteln der Traumatisierungsenergie aus dem Nervensystem erfolgt eher in sanfteren, wellenartigen Bewegungen im körpereigenen Rhythmus. Dies ist die sicherste Möglichkeit, sich selbst vor Spätfolgen zu schützen.
Je eher nach dem Ereignis Ihr Körper diese Möglichkeit der „Selbstregulation“ hat, um so geringer das Risiko möglicher Spätfolgen!
Also noch mal, Zittern oder Zucken auf keinen Fall unterdrücken, sondern zulassen. Andernfalls unterdrücken Sie, die körpereigenen Selbstheilungskräfte. Dem Körper vertrauen!!!
Sollten Sie sich damit überfordert fühlen, bitten Sie eine Person ihres Vertrauens, um Beistand oder noch besser, holen Sie sich professionelle Hilfe. Ihr Körper wird Ihnen signalisieren, welche der beiden Möglichkeiten er zunächst, für die bessere hält. Sie können dies durch ein kurzes, wohliges Empfinden von „Stimmigkeit“ im Körper wahrnehmen.
Falls Sie Anzeichen von Überforderung, während der Selbstregulation Ihres Körpers empfinden, nehmen Sie auch dies bitte unbedingt ernst. In dem Fall wäre es sinnvoll, etwas zu tun, was Ihnen gut tut und Sie erdet. Gartenarbeit oder irgend etwas, was Ihrem Körper gut tut.
Gönnen Sie sich z.B. ein Bad (vorausgesetzt Sie baden gern) oder nehmen sich Zeit zum Duschen. Massieren oder kneten Sie Ihre Arme oder Beine mehrmals, um wieder im Körper anzukommen.
Diese Form der Selbstberührung hat den zusätzlichen Effekt, die eigenen Körpergrenzen zu spüren und damit ein Stück weit, wieder herzustellen. Yoga-Übungen oder Walken an der frischen Luft ist immer gut. In dieser Weise, auf die Körperebene zu gehen, erdet Sie, bringt Ihre Energie aus dem Kopf, wieder zurück in den Körper, verhindert die unbewußte Flucht, aus dem Körper und damit das Abdriften oder Dissoziieren.
Achtsames Sprechen als Selbstschutz
Es ist natürlich wichtig, mit anderen Menschen über eine überwältigende Erfahrung sprechen, zu können. Darin liegt jedoch die Gefahr, einer erneuten Aktivierung des Nervensystems, da man während des Berichtens verständlicherweise erregt ist.
Auf diesem Hintergrund, wäre es von Vorteil, nur wenigen Personen, die Geschichte zu erzählen. Auch, wenn in Ihnen vielleicht etwas danach drängt, drüber zu sprechen, Sie tun sich mit schnellem Sprechen keinen Gefallen, und riskieren jedes Mal, eine Re-Traumatisierung!!! Schützen Sie sich - wenn es Ihnen rechtzeitig einfällt - selbst, indem Sie sich z.B., detaillierte Beschreibungen eher aufheben, für Gespräche mit professioneller Hilfe.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer dies sein kann. Ebenso, wie das Erzählen sich – angetrieben von der mächtigen, im Nervensystem gebundenen Überlebens-Energie - vom Tempo her verselbständigen kann und man selbst, es kaum noch zu stoppen schafft.
Die hochgradige Erregung im autonomen Nervensystem, sorgt für „hohe Drehzahlen“ beim Sprechen, so daß man die Steuerung darüber verlieren kann. Sich danach völlig ausgepowert fühlt.
Wenn Sie drüber sprechen, bitte so langsam, wie möglich, damit Ihr Körper noch mit kommt!!! Denn schnelles Sprechen, was dem Leidensdruck entsprechend, zwar menschlich ist – verhindert, daß der Körper es schafft, die hohe Erregung zu halten, und rausfließen zu lassen.
Traumatisierte Menschen neigen kompensatorisch (= ausgleichend - hier, um unangenehme Körperempfindungen oder Gefühle, nicht spüren zu müssen) dazu, sehr in den Kopf zu gehen. Durch schnelles Sprechen über ihre bedrohliche Erfahrung, verlieren sie ihre Verbindung zum übrigen Körper - und damit blitzartig ihre Bodenhaftung. Es ist, wie eine Trennung zwischen Kopf und Körper.
Diese Trennung entsteht grundsätzlich, wenn wir sehr schnell sprechen. In diesem Fall haben wir keinen Kontakt, zu unserer inneren Mitte, womit uns jegliche Erdung verloren geht.
Erdung ist der wichtigste Halt zur Selbstregulation
Doch Erdung ist gerade für traumatisierte Menschen, der wichtigste Halt, den sie brauchen, um nicht über ihren Kopf, nach oben und aus dem Körper raus, abzudriften. Ein vorübergehender Zustand, in welchem die Seele, den Körper verlassen hat und außerhalb schwebt.
Ein durchaus sinnvoller Schutzmechanismus, in einer überwältigenden Situation, im normalen Alltag, eher nicht dienlich. Ein Zustand, verbunden mit einer Art Vernebelung des Bewußtseins, der handlungsunfähig macht. Man bekommt zwar um sich herum alles mit, kann sich aber möglicherweise nicht bewegen oder auch nicht sprechen. Man will es tun, doch es funktioniert nicht, weil der Körper nicht mit macht, da eine kurzfristige, vorübergehende Lähmung eingetreten ist.
Damit Sie, während erregten Erzählens, besser geerdet sind, achten Sie unbedingt auf gute Bodenhaftung mit den Füßen. So, daß Ihre kompletten Fußsohlen, Kontakt zum Boden haben.
Es kann hilfreich sein, zwischendurch nur mit den Fersen einige Male im Wechsel, auf den Boden zu Stampfen. Der vordere Fuß bleibt dabei auf dem Boden.
Mögen Ihnen diese Infos für den Notfall hilfreich und Ihrer Gesundheit dienlich sein.
Als es mich vor 9 Jahren erwischt hat, gab es leider keine nützlichen Informationen für mich. Weil ich damals nicht wußte, an wen ich mich wenden konnte, mußte ich sehen, wie ich - im Jahr nach den überwältigenden Erfahrungen auf der Beziehungsebene, in meiner 1. Therapeutischen Ausbildungsgruppe, als Teilnehmerin - selbst klar kam, mit einer Vielzahl von Symptomen und Syndromen. Das war die Hölle.
Ich wünsche mir, dass dafür Sie, als möglicherweise betroffene Person, ein wenig von dem profitieren können, was ich Ihnen hier an eigenen Erfahrungen weiter geben konnte.
Einerseits durch meine intensive Auseinandersetzung, mit den neueren Ansätzen der Traumatherapie, besonders durch die von mir absolvierte dreijährige Zusatzausbildung, in Somatic Experiencing – körperorientierte Traumatherapie.
Vielleicht können Sie ja nun, auch andere Betroffene Menschen aus Ihrem näheren Umfeld, ein wenig unterstützen. Das wäre der einzige Sinn, den ich in meinen selbst erfahrenen Traumata sehen könnte.
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Ich stecke mitten drin, habe vor 2 Tagen ein Trauma erfahren. Vielen Dank für Ihre hilfreichen Ausführungen. Ich musste mir die Bestätigung holen, dass es normal ist, daß der Körper noch Tage danach völlig unbekannte Reaktionen zeigt. Und es ist wichtig, nur auf sich zu hören und das Vertauen in den Körper wirklch zu haben oder zu finden.
Viele Grüße, Vicky
