Linkshändigkeit und umgeschulte Linkshändigkeit
Erstellt von: Marina
am 30 Jul, 2010

Linkshändigkeit bei Kindern wird erst seit Ende des 20. Jahrhunderts mehr und mehr akzeptiert. Wenn Kinder heutzutage in der Schule mit links schreiben wollen, werden sie nicht mehr auf die rechte Hand umerzogen.
Das war bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts anders. Linkshändern wurden in der Schule teilweise mit Gewalt auf die rechte Schreibhand umgeschult. Heute noch werden linkshändige Kleinkinder sanft von ihren Eltern oder in der Kita auf das „richtige Händchen“ umerzogen, oder sie passen sich von selbst an die rechtshändige Lebensweise ihrer Umwelt an.
Links- und Rechtshändigkeit sind angeboren, d.h. Händigkeit ist etwas ganz natürliches. Linkshändigkeit bedeutet, dass die dominante Hand die linke ist, sie hat mehr Ausdauer, feinmotorische Geschicklichkeit und Kraft, die rechte Hand ist die Hilfs- bzw. Haltehand.
Die dominante Gehirnhälfte bei Linkshändern ist die rechte.
Bei Rechtshändern ist es genau umgekehrt.
Dass die Umschulung auf die rechte (Schreib-)Hand einen massiven Eingriff in das Gehirn, die Psyche und den Körper des Linkshänders bedeutet, ist vielen Eltern, Pädagogen, Ärzten, Psychologen und sonstigen Berufsgruppen, die mit Kindern zu tun haben, immer noch nicht hinreichend bekannt.
Wenn Linkshänder nicht mit ihrer dominanten linken Hand schreiben lernen, kann es zu
Lern- und Leistungsstörungen, sowie zu Beeinträchtigungen in der Persönlichkeitsent-
wicklung kommen. Das Schreiben mit rechts bedeutet für Linkshänder eine ständige Überforderung, die sehr viel Energie kostet.
Lernstörungen wie z.B. LRS oder ADS können ihre Ursache in einer unterdrückten Linkshändigkeit haben. Psychische Symptome wie Depressionen und/oder Angstattacken können ursächlich durch eine unterdrückte Linkshändigkeit entstehen, um nur einige wenige Folgeerscheinungen der Umschulung auf rechts zu nennen.
Heutzutage gibt es viele erwachsene umgeschulte Linkshänder, die etliche Probleme haben und nicht einmal wissen, dass sie eigentlich Linkshänder sind. Aber es gibt auch solche, die sich daran erinnern, wie ihnen die Benutzung des „schönen Händchens“ aufgezwungen wurde. Leider gibt es auch immer noch viel zu viele verkappte linkshändige Kinder und Jugendliche.
Über eine ausführliche Händigkeitsdiagnostik lässt sich bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die angeborene Händigkeit feststellen. Besteht eine unterdrückte Linkshändigkeit, kann die Rückschulung auf die linke Schreibhand den Betroffenen zu einer Verbesserung ihrer aktuellen Situation und Befindlichkeit verhelfen.
Rückschulung bedeutet ganz konkret: man lernt wieder mit links zu schreiben. Das kann zu einer Entspannung und Entlastung führen. Das Schreiben lernen mit links gelingt in der Regel viel leichter als mit rechts, vor allem aber macht es mehr Spaß. Durch das Schreiben mit links können die Betroffenen ganz allmählich zu ihrer Identität als Linkshänder zurückfinden und damit sicherer und selbstbewusster werden.
Bei Erwachsenen ist die Rückorientierung auf die angeborene Linkshändigkeit zugleich ein komplexer innerer Prozess, der immer unter professioneller Anleitung und Begleitung durchgeführt werden sollte.
